Projekte für ein soziales und ökologisches Miteinander

Nun ist das letzte Quartal meines Sabbatjahrs angebrochen und ich bin als Workawayerin in Belgien und Frankreich unterwegs. Ich möchte mir hier einige spannende Projekte anschauen, Menschen treffen, die etwas Neues gewagt haben und ganz „nebenbei“ mein Französisch aufbessern. Workaway (https://www.workaway.info/) ist im Prinzip so ähnlich wie Wwoofing, nur dass die Möglichkeiten und Tätigkeitsfelder vielseitiger sind und man weltweit nach Hosts suchen kann. So kann man zum Beispiel im Haushalt oder auf Farmen helfen, bei ökologischen oder sozialen Projekten mit anpacken, aber auch als Babysitter oder Housesitter tätig werden. Was mir besonders gut gefällt, ist dass man sich mit anderen Workawayern vernetzen kann und so Erfahrungen über Hosts austauschen oder einfach andere Workawayer in der Nähe finden kann. Ich habe mir drei verschiedene Hosts ausgesucht, die ich euch natürlich hier in meinem Blog vorstellen werde.

Ausflug in die Umgebung von Mons

Meine Reise beginnt in Belgien, genauer gesagt in Mons bei Cédric und Sylvie und ihrer kleinen Tochter Clara. Cédric und Sylvie haben mehrere soziale und ökologische Projekte auf die Beine gestellt, denen sie sich neben ihren Teilzeitjobs und dem Familienleben widmen. Ihr Ziel ist es, ein ökologisches Verständnis zu vermitteln und ein soziales Miteinander zu schaffen. Die Projekte sind vielfältig und befinden sich in verschiedenen Entwicklungsstadien. 

Der Hauseigene Permakulturgarten

Da ist zum Einen das Permakulturprojekt Jardimanche (Facebook: Jardimanche Permaculture Mons). Hierfür haben Cédric und Sylvie einen Teil ihrer Ackerfläche zur Verfügung gestellt, um gemeinsam mit anderen Interessierten einen Permakulturgarten anzulegen. Seit 3 Jahren wird hier jeden Sonntag gemeinschaftlich gegärtnert und experimentiert. Daher auch der Name Jardimanche – es ist eine Verschmelzung der beiden französischen Worte Jardin (Garten) und Dimanche (Sonntag). Irgendwann soll sowohl das hier angebaute Obst und Gemüse als auch die Produkte anderer Produzenten verkauft werden. Ich habe einige Mitglieder des Jardimanche kennengelernt, den harten Kern sozusagen, der sich auch im Winter gern einbringt. Sie sind alle sehr nett und voller Tatendrang. Zusammen haben wir das Saatgut gesichtet, vorbereitet und katalogisiert, damit es dem Bio-Siegel entspricht. Dabei habe ich richtig Lust bekommen auch selber mein Saatgut herzustellen. 🙂 Im Garten selbst sind wir auch vorangekommen. Wir haben Zwiebeln und Knoblauch ausgesät und Buchsbaum als Beetumrandung gepflanzt. Dabei haben wir Cédrics erprobte Methode eingesetzt: Einfach nur ein paar kleine Zweige vom Buchsbaum abbrechen und direkt in den Boden stecken. Nach einigen Wochen sind die ersten Wurzeln da. In Cédrics kleinem Permakulturgarten direkt hinterm Haus funktioniert das sehr gut und sieht sehr hübsch aus. 

In diesem kleinen Garten hat Cédric seine ersten Experimente mit der Permakultur gemacht und beobachtet was funktioniert und was nicht.  Beobachten – das ist das Wichtigste in der Permakultur und diesem Ansatz begegne ich immer wieder. Die Natur ist der Ratgeber und es geht nur mit ihr und nicht gegen sie. Eine weitere Leidenschaft Cédrics ist das Upcycling, das er in all seine Projekte einbringt. Aus alten Fenstern wird ein Gewächshaus gebaut und alte Glasflaschen dienen als Beetumrandung. Das Wasser, das sich auf dem Boden der Flaschen sammelt, bietet eine ideale Trinkstelle für Insekten. 

Flaschen als Beetumrandung

Alte Dinge finden auch einen Platz in der Gestaltung des Ladenprojekts Du Pain et des Roses (Facebook: Du Pain et des Roses – Épicerie coopérative et participative montoise). Sylvie und Cédric haben ein altes Haus mitten in der Stadt gekauft und renovieren es in Eigenregie mit Hilfe vieler fleißiger Workawayer. Dieses Mammutprojekt steht nun kurz vor der Vollendung. Dieser Laden unterscheidet sich allerdings von anderen Geschäften, denn er wird von einem Kollektiv verwaltet und geleitet. Zusammen mit ungefähr 20 weiteren Teilnehmern sollen hier verschiedene Produkte verkauft werden. Jeder der Beteiligten verwendet 3 Stunden seiner Zeit im Monat für den Laden und so wird die Arbeitslast, die ein Geschäft mit sich bringt, auf ausreichend Schultern verteilt. Es ist ein soziales Projekt und es geht den Beteiligten nicht um das große Geld. Ich finde dieses Konzept sehr spannend und bin neugierig, wie es laufen wird. Diesen Frühling soll der Laden eröffnet werden.

Das dritte Projekt ist der essbare Wald. Dieses Projekt befindet sich noch auf dem Reißbrett und soll beginnen, sobald die Arbeiten im Geschäft abgeschlossen sind. Das Land auf dem der Wald entstehen soll, haben die beiden schon gekauft. Es grenzt an einen Kindergarten an und idealerweise soll hier gemeinsam mit den Kindern gegärtnert werden. Wir werden sehen, wie sich dieses Projekt entwickeln wird. Es bleibt auf jeden Fall spannend bei Cédric und Sylvie. Ideen haben sie genug und auch die Motivation ihre Ideen in die Tat umzusetzen. 🙂

Wandbild im Geschäft – gemalt von einer Workawayerin

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