Naturschutz an der Ostsee

Nach meinem Einsatz für die Lemuren und Wälder Madagaskars wollte ich mich für unsere heimische Natur engagieren. Gleichzeitig habe ich mich nach etwas Ruhe und Zeit zum sinnieren gesehnt. Und wo geht das wohl besser als am Meer? Beim Verein Jordsand im Naturschutzgebiet Schleimündung (https://www.jordsand.de/schutzgebiete/schleimündung/) bin ich fündig geworden. Der Verein betreut zahlreiche Schutzgebiete an Nord- und Ostsee und hat sich vor allem dem Schutz der See- und Küstenvögel verschrieben. Das Naturschutzgebiet Schleimündung befindet sich im Norden Deutschlands nahe der dänischen Grenze und umfasst das Mündungsgebiet der Schlei, einen Meeresarm der Ostsee. 

Mein täglicher Blick auf die Ostsee 🙂

Die Schleimündung ist ein wichtiges Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten, weshalb der ganzjährige Schutz dieses Gebietes besonders wichtig ist. Dazu gehört auch ein Betretungsverbot, denn genau wie wir Menschen brauchen auch Vögel einen ruhigen und geschützten Ort zum Ausruhen und zur Aufzucht des Nachwuchses. Wer möchte schon gern ständig Fremde im Haus haben? Die zahlreichen Vögel lassen sich aber auch gut vom Rand des Gebietes beobachten und der Verein bietet von April bis Oktober Führungen in das Gebiet an. Und Strandspaziergänge an der Ostsee kann man auch kilometerlang außerhalb des Schutzgebietes machen. Einmal wöchentlich führt der Verein Vogelzählungen durch, um den Bestand und den Zu- und Wegzug der Vögel zu erfassen.  

Der Verein lebt von dem Engagement der vielen freiwilligen Helfer und wird auch durch Spenden unterstützt. Für ca. 6 Wochen habe auch ich etwas mitgeholfen. Von November bis Dezember konnte ich in die Arbeit im Naturschutzgebiet reinschnuppern. Da die Saison bereits vorbei war, ging es etwas ruhiger in der Schleimündung zu. Ich wurde sehr herzlich vom praktischen Referenten Dieter, den beiden FÖJlern Luisa und Erik, sowie der BFDlerin Lilith aufgenommen. Es ist eine illustre Runde, die sich da zusammengetan hat, um gemeinsam die Natur zu schützen. Zusammen haben wir vor allem Pflegearbeiten durchgeführt, die während der hektischeren Sommersaison angefallen sind und für die einfach keine Zeit blieb. Da ist der Zaun, der erweitert werden musste, damit er auch weiterhin Mensch und Naturschutzgebiet voneinander trennt. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die robusten Galloway-Rinder im Schutzgebiet bleiben. Die Rinder halten die Vegetation im Gebiet offen und kurz, damit die bodenbrütenden Vögel „freie Sicht“ haben. Auf der anderen Seite der Schlei übernehmen Schafe diese Aufgabe. Da der Wind und das Meer immer wieder Müll in das Schutzgebiet tragen, haben wir gemeinsam Müll eingesammelt und dabei so einiges gefunden, dass nun wirklich nicht ins Schutzgebiet gehört. Im phänologischen Garten war der Baumschnitt der Weiden fällig und was ich bei Thekla auf meinem 1. Hofbesuch gelernt habe, konnte ich hier gut einbringen: „nichts wird verschwendet“. So haben wir gemeinsam die Zaunumrandung des phänologischen Gartens mit den geschnittenen Ästen verschönert. Es blieb auch Zeit für ein paar handwerkliche Tätigkeiten, wie Ausbesserungsarbeiten in der Unterkunft und in der Vogelwärterhütte, aber auch für den Bau von Nistkästen, Vogelfutterhäuschen und dem Design eines Insektenhotels. Mein Highlight war natürlich die wöchentliche Vogelzählung. Morgens bei Sonnenaufgang und Wind und Wetter ging es los. Nur wenn der Wind zu stark war und man durchs Spektiv nichts mehr sehen konnte, haben wir die Zählung verschoben. Auf diesen Zählungen habe ich besonders viel über die Vögel gelernt. Wie man verschiedene Arten unterscheiden kann, am Gesang, am Aussehen oder am Flug. Ich wusste auch nicht, dass einige Vogelarten je nach Saison verschiedene Kleider tragen, wie das Prachtkleid, das vor allem zur Partnerwahl dient, oder das Schlichtkleid. Diese Wanderungen durch das Naturschutzgebiet waren wie eine kleine Entdeckungsreise. Hier wurde mir erst richtig bewusst, wie viele Vögel in dem Gebiet sind, aber auch weit draußen auf der Ostsee, die man mit bloßem Auge gar nicht sehen kann. Ein Blick durch das Spektiv ist wie ein Blick in eine verborgende Welt.

Direkt an der Ostsee und am Eingang zum Naturschutzgebiet steht die Vogelwärterhütte, die Luisa und ich unser Zuhause nennen durften. Besser hätte ich es nicht treffen können! Trotzdem es recht kalt war und es kein fließend Wasser gab, war es genial. Ich habe zum ersten Mal direkt am Meer gewohnt und es richtig genossen. Morgens habe ich den Sonnenaufgang über der Ostsee bestaunt und später immer wieder die Vögel und Galloway-Rinder im Schutzgebiet beobachtet. Von der Haustür aus ging mein Strandspaziergang direkt los und abends habe ich den Sternenhimmel bewundert. Und immer wieder einfach nur aufs Meer starren… . Nach einer Weile hatte ich auch den Dreh mit dem Einheizen raus und kann mich mittlerweile einen Profi im Ofen anfeuern nennen :). Neben diesem wunderbaren Zuhause konnten Luisa und ich aber auch die Annehmlichkeiten der Unterkunft von Erik und Lilith nutzen, die nach wenigen Minuten mit dem Rad erreichbar war. Hier gab es warmes Wasser und eine gemütliche Küche in der wir gemeinsam gekocht, Karten gespielt und gestrickt haben. Hier habe ich eine regelrechte Leidenschaft fürs Socken stricken entwickelt – gerne in Begleitung einer hiesigen beliebten und an der Schlei gedrehten Fernsehserie. Es hat uns natürlich auch viel nach draußen gezogen und wir haben die Gegend rund um die Schlei mit dem Fahrrad erobert. 

Diese wunderschöne Region rund um die Schleimündung mit ihren vielen Vögeln, der weiten offenen Landschaft, dem Meer und der Schlei ruft gleichzeitig verschiedenste Interessen und damit auch Konflikte aufs Parkett. Da ist der kleine Hafen auf der Lotseninsel, der nur per Boot erreichbar ist, da das Betreten des Naturschutzgebiets aus guten Gründen verboten ist. Da ist das neue Ostseeresort Olpenitz auf dem ehemaligen Marinestützpunkt, das direkt an das Naturschutzgebiet angrenzt. Und da ist die Ostsee, deren Wasser bei starkem Ostwind in die Schlei gedrückt wird und Ängste schürt. Da tut es gut zu Wissen, dass es den Verein gibt, der die Interessen der Natur im Blick hat, während so viele andere nur die eigenen oder wirtschaftliche Interessen im Sinn haben. Es braucht engagierte Leute, die ihre Zeit und Kraft zum Schutz der Natur aufwenden, denn sie braucht eine starke Lobby in unserer Zeit, wo leider immer noch mehr über die Klimakrise und den Schutz der Natur geredet wird, als tatsächlich gehandelt. Auch hier in Deutschland müssen wir uns für die Natur stark machen, denn wir sind ein Teil von ihr und ohne sie geht es nicht. Umso inspirierender war es zu sehen, dass es viele, vor allem junge Leute gibt, die sich aktiv für die Natur engagieren und denen reden allein nicht mehr genug ist…   

Auf geht‘s 🙂

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2 Kommentare

  1. Was für tolle Bilder! Wir haben so schöne Landschaften direkt vor der Haustür! Dana, nimmst Du auch Auftragsarbeiten für Socken an 😁? Bis bald, Du Liebe!

    1. Vielen lieben Dank Adriana! Ja, es stimmt, wir haben wirklich schöne Landschaften hier in Deutschland, da lohnt sich auch ein Urlaub „daheim“. Von Dir nehm ich auf jeden Fall Auftragsarbeiten an 😉

      Bis bald 🙂

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