Der zweite Hof

Meine Lernreise durch die Permakultur führt mich zu Sepp und Veronika in der Nähe von Steyr (http://permakultur.cc/). Am Horizont sind die Kalkalpen zu erkennen, während es auf dem Permakulturhof vor Leben nur so strotzt. Überall summt und brummt es, zwitschert und quakt es. Die beiden bewirtschaften nicht nur ihren Hof im Sinne der Permakultur, sondern sie leben die Ideen der Permakultur.

Infiziert mit den Ideen der Permakultur haben sie sich während einer Bildungsreise in Indien. Sie waren zu Gast in einem Permakulturgarten und fanden inmitten der sonst so trockenen Region ein wahres Paradies vor. Pflanzen wuchsen im Übermaß und trugen zahlreiche Früchte, während die umliegenden Bauern mit der Trockenheit zu kämpfen hatten. Infiziert von der Permakulturidee und dem offensichtlichen Beweis, dass es funktionierte, wollte Sepp sofort nach Hause, um auf dem Familienhof die Permakultur umzusetzen.

Als erstes haben sie das Wasser auf den Hof geholt. Sie haben ein 2×2 m tiefes Loch ausgehoben und über ein Jahr lang beobachtet. Das Wasser blieb – „was bei einem kleinen Loch funktioniert, funktioniert auch bei einem größeren Teich“, so Sepp. Dank des lehmigen Bodens brauchten sie keine Folie um das Wasser zu halten. Heute sind 6 Teiche und zahlreiche Feuchtbiotope auf dem Gelände, die den Boden feucht halten. In und um sie herum tummelt es vor Leben. Frösche und Kröten quaken um die Wette. Enten, Fische, Insekten und sogar europäische Sumpfschildkröten finden hier einen Lebensraum. Sepp und Veronika gießen mit dem Teichwasser neugepflanzte Pflanzen. Nach dem Angießen werden die Pflanzen nur noch gegossen, wenn es lange Zeit sehr trocken ist. Veronika gewöhnt die Pflanzen von Anfang an an wenig Wasser, damit sie tiefer wurzeln und selbstständig nach Wasser suchen. Somit spart sie sich Arbeit und der Boden wird gut durchwurzelt.

Experimentieren und beobachten, das sind ganz wichtige Herangehensweisen in der Permakultur, die Sepp und Veronika mit Leidenschaft durchführen. Kartoffeln wurden schon auf unterschiedlichste Weisen angebaut. Tomaten werden an verschiedene Stellen bei unterschiedlichen Bedingungen gesetzt und das Ergebnis dann verglichen. Im nächsten Jahr wissen sie dann wieder mehr. Wenn etwas mal nicht so funktioniert wie gedacht oder erhofft, dann ist es einfach eine weitere Erfahrung im Lernprozess. Seit letztem Jahr haben sie ein Folienhaus und experimentieren hier weiter: „Wir haben noch keine Erfahrung und probieren einfach aus, mal schauen wie es wird“, so Veronika.

Experiment: Salat im Baumstamm

Sepp und Veronika betreiben nicht nur Permakultur, sondern sie leben die Permakultur. Die Permakultur lebt von der Gemeinschaft und so haben sie sich ein Netzwerk aufgebaut in dem Produkte getauscht werden, aber auch gemeinsam angepackt wird, wenn es etwas zu tun gibt. Dann kommen Freunde vorbei und helfen beim Bau des Schafzauns oder befreien Bäume von überwuchernden Lianen. Und natürlich kommen auch Wwoofer zum Hof und einige von ihnen kommen immer wieder, um zu helfen und um am Wissen von Sepp und Veronika teilzuhaben. Das breite Wissen der beiden und ihre große Bereitwilligkeit dieses Wissen zu teilen, begeistert mich an ihnen! „Nicht belehren, sondern das Wissen teilen, das ist ganz wichtig in der Permakultur“, sagt Sepp immer wieder.

Was ich bei Sepp und Veronika am meisten genieße ist ihre positive Art! Sie sehen immer das Positive in allem und betonen es. Sie erfreuen sich an jedem Tag: „Ich hoffe du hast nichts Besseres vor, denn das jetzt hier ist Lebenszeit“, sagte Sepp mal zu mir. Das werde ich nicht vergessen und mitnehmen. Das Leben ist jetzt.

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