Gärtnern mit Hühnern

Gärtnern mit Hühnern ist ein Erlebnis und eine ungeahnte Bereicherung! Sie sind einfach tolle Kollegen, wenn man im Garten vor sich hin werkelt. Sie sind stets an meiner Arbeit interessiert – ja gerade zu übereifrig nichts zu verpassen! Ständig gackern sie, scharren und picken auf der Suche nach allmöglichen Leckerbissen um mich herum. Hähne lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen die Mädels mit Leckerbissen zu umwerben, doch wenn sie nicht sofort interessiert sind, dann landet so mancher Wurm schon mal im eigenen Magen. Sie sind aber nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine große Hilfe, wenn man Böden für ein neues Beet umgräbt oder von der Last des letzten Jahres befreit. Sie lockern die Erde auf und sieben sie geradezu beim Scharren. Ihr großer Arbeitseinsatz kann aber auch zu einer echten Herausforderung werden und die gute Zusammenarbeit ins Stocken bringen: da werden mühselig aufgetürmte Laubhaufen nochmals genau begutachtet und nach Würmern und anderen Leckereien feinsäuberlich durchsucht. Da hilft nur eine genaue Planung und hohe Geschwindigkeit: den Laubhaufen schnellstmöglich auf den Kompost geben, denn dort können sie nach Herzenslust nacharbeiten…

Der erste Hof

Mitten in den weichen Hügeln und Bergen des Oberen Donautal Aschachtals hat sich Thekla ihr Paradies erschaffen – Theklasien, ein Raum für Ereignisse (http://www.theklasien.at). Hier gibt es Schafe, Hühner und Katzen, die alle ihren Beitrag in der Permakultur von Thekla erfüllen. Thekla hat mit ihrem Permakulturhof auch Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere erschaffen. Der Frühling ist da und überall fängt es an zu blühen, zu summen und zu zwitschern. Hier ist meine erste Station auf meiner Lernreise in die Permakultur und Thekla hat mich mit offenen Armen empfangen.

Eines der ersten Dinge, die ich bei Thekla gelernt habe, ist, dass nichts verschwendet oder weggeworfen wird. Alles wird verwendet. Nach dem Winterschnitt der Obst- und Laubbäume haben wir aus den Ästen Kompostumrandungen gebaut. Die sehen sehr hübsch aus und man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Für das Permakulturbeet des Bio.Garten.Eden (OÖ Landesgartenschau 2019 in Aigen-Schlägl https://www.biogarteneden.at) haben wir einen runden Kompost aus Weidenästen gebaut. Dafür haben wir stärkere Äste als “Pfosten” und dünnere zum Einflechten benutzt. Das hat total viel Spaß gemacht und mit etwas Glück werden die “Pfosten” – also die sogenannten Stecklinge – anwachsen. Ich drück die Daumen!

Runder Kompost im Bio.Garten.Eden

Natürlich hat Thekla auch an ihre Schafe gedacht und wir haben aus den Ästen Schutzhecken für die Schafe gebaut. Das Laub der Bäume eignet sich ganz wunderbar als Einstreu für den Schafstall. Das Laub von Nussbäumen ist ganz besonders gut geeignet, da es viele Gerbstoffe enthält und somit antibakteriell wirkt. Man kann aber auch anderes Laub verwenden, früher wurde Laub generell als Einstreu verwendet. Außerdem ist es ohnehin en masse vorhanden und es sieht einfach hübsch aus!

Laub als Einstreu

Eine weitere Erfahrung, die ich bei Thekla gemacht habe, ist, dass man die jungen Triebe vieler Sträucher und Bäume ganz hervorragend genießen kann! Die jungen Triebe der geschnittenen Himbeersträucher schmecken ganz fabelhaft im Tee und die jungen Blätter der Buchen sind auch sehr köstlich. Thekla empfiehlt, sie aufs Brot oder getrocknet und gemahlen als Gewürz. Da verfeinern sie so manches Gericht. Natürlich auch als Snack unterwegs vom nächstgelegenen Baum. Kein Spaziergang mit Thekla vergeht, ohne dass wir unterwegs die Leckereien der Natur genießen: Sauerampfer hier, Schaumkraut da, noch ein paar Buchenblätter oder junge Tannenwipfel. Der Tisch der Natur ist reich gedeckt!

Ohnehin sind die großen Kräuterkenntnisse von Thekla einfach nur beeindruckend. Für jedes Wehwechen oder Gericht ist ein Kraut gewachsen und Thekla kennt sie alle! Ich genieße es, täglich über die Wiesen zu spazieren und die Kräuter für meinen Tee zu sammeln. Wildkräuter zu erkennen und nutzen zu können, ist eine wahre Bereicherung, auch wenn sich bisher die Anzahl der Kräuter, die ich erkennen kann, noch stark in Grenzen halten. Doch Thekla tut ihr Bestes, um mein Wissen täglich zu erweitern!

Kräuter finden sich in Theklasien überall, nicht nur in der Kräuterspirale

Permakultur

In den ersten 3 Monaten meiner beruflichen Auszeit beschäftige ich mich mit der Permakultur. Permakultur? Aufmerksam geworden bin ich auf die Permakultur bei der Dokumentation „Tomorrow: Die Welt ist voller Lösungen“. Dieser Film ist so inspirierend und aufrüttelnd. Er zeigt kreative Lösungswege raus aus der Ausbeutung und Zerstörung unserer Umwelt und hinterlässt im Gegensatz zu vielen anderen Dokumentationen und Büchern, die sich mit den Umweltproblemen unserer Welt auseinandersetzen, Hoffnung und Tatendrang. Er erinnert daran, dass jeder Einzelne etwas bewirken kann.

Genauso positivistisch ist auch die Permakultur. Sie ist ein Gegenkonzept zur industriellen Landwirtschaft, die vor allem auf Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden setzt. Die Permakultur (von engl. permanent und agriculture) wurde von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren in den 1970er Jahren als Antwort auf die Umweltkrise entwickelt. Ziel der Permakultur ist es, ein dauerhaft funktionierendes nachhaltiges System aus Pflanzen und Tieren zu schaffen – ein Ökosystem – das für den Menschen nützlich ist. Um ein solches System schaffen zu können, ist es wichtig die Natur zu beobachten. Sie ist die Lehrmeisterin. Es ist ein Arbeiten mit der Natur und nicht gegen sie.

Nackte Böden und Monokulturen gibt es in der Natur nicht und somit auch nicht in der Permakultur. Pflanzen werden in Mischkulturen angesetzt, damit sie sich gegenseitig unterstützen und den Boden bedecken, um ein Austrocknen zu verhindern. Unterschiedliche Biotope werden angelegt, damit verschiedene Tiere wie z.B. Insekten, Amphibien und Vögel Nahrung und einen Lebensraum finden. Pflanzen dürfen blühen und aussamen. Ein Permakulturgarten ist nicht ordentlich – mit allen Pflanzen in Reih und Glied und sauber aufgeräumt. Abgestorbene Pflanzen, Grünschnitt oder Kompost dient als Dünger und gleichzeitig als Bodenabdeckung, denn in der Permakultur hat alles mehr als nur eine Funktion. Dafür summt und brummt es, zwitschert und quakt es, kreucht und fleucht es, blüht und gedeiht es in der Permakultur. So viel Leben gibt es zu entdecken und zu bewundern.

Das Konzept der Permakultur lässt sich nicht nur auf die Landwirtschaft anwenden, sondern bietet einen ganzheitlichen Ansatz für ein nachhaltiges und gemeinschaftliches Leben. Die wesentlichen Grundprinzipien der Permakultur sind: achtsamer Umgang mit der Erde (earth care), achtsamer Umgang mit den Menschen (people care) sowie Selbstbegrenzung und gerechte Überschussverteilung (fair share). Diese Grundprinzipien werden auf verschiedenste Lebensbereiche angewendet.

Um die Permakultur zu erlernen und zu erleben, was es bedeutet diese zu betreiben, habe ich mich entschieden auf drei verschiedenen Permakulturhöfen in Österreich zu wwoofen. Wwoofing (We`re Welcome On Organic Farms; http://www.wwoof.at; http://www.wwoof.net) ist ideal für alle, die sich das Leben auf einem ökologisch geführten Hof anschauen und mit anpacken wollen, aber auch für ökologische Höfe, die helfende Hände brauchen. Als Wwoofer arbeitet man auf ökologischen Höfen mit und bekommt neben Kost und Logis einen Einblick in das Leben auf einem Hof und kann so allerhand lernen.