Bäume pflanzen für den Regenwald

Die 2. Hälfte meiner Zeit in Madagaskar habe ich beim Wiederaufforstungsteam verbracht. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich mein Highlight nun hinter mir hatte – meine Zeit bei den Lemuren war so grandios. Aber da hatte ich mich geirrt, ein weiteres Highlight erwartete mich – Bäume pflanzen und so den Wald zurückbringen!

Waldfragmente werden durch gezielte Pflanzaktionen wiederverbunden

Wie viele Bäume und Wälder verschwunden sind, merkt man überall, aber am schockierendsten war es für mich auf der Fahrt von der Hauptstadt Antananarivo zum Camp südlich vom Nationalpark Ranomafana. Vom kontinuierlichen Regenwald, der sich von Nord nach Süd im Osten Madagaskars erstrecken soll, war kaum noch ein Baum zu sehen. Erst kurz vorm Nationalpark Ranomafana gab es wieder einen Wald. Die Wälder wurden gerodet (Brandrodung), um neue Reisfelder oder andere Ackerflächen anlegen zu können. Diese Methode wird seit Generationen weltweit verfolgt. Gerade in den tropischen Breiten ist dieses Vorgehen jedoch verheerend, da der Boden meist tiefgründig verwittert ist und kaum Nährstoffe bietet. Nährstoffe werden von absterbenden Pflanzenresten des Regenwaldes nachgeliefert. Fehlt der Wald, fehlen auch die Nährstoffe und der Boden wird schnell ausgelaugt (https://www.bodenwelten.de/content/tropische-boeden). Kann der Boden nicht mehr für die Landwirtschaft genutzt werden, wird wieder neuer Wald gerodet. Es ist ein Teufelskreis.

Die Madagascar Biodiversity Partnership (MBP; https://madagascarpartnership.org/) hat sich zusammen mit Conservation Fusion (http://conservationfusion.org/) das Ziel gesetzt, den Wald zu schützen und ihn zurückzubringen, wo er nicht mehr da ist. Sie vermitteln Wissen über den Wald und ihre Bewohner, vor allem über die Lemuren, und erklären warum es so wichtig ist den Wald zu schützen. Dieses große Engagement ist beeindruckend und zeigt seine Wirkung. Seit 10 Jahren arbeiten diese beiden NGOs Hand in Hand und haben bereits viel bewirkt. Durch die Beschäftigung vieler madagassischer Mitarbeiter hat sich der Lebensstandard verbessert und die Forschungsarbeiten madagassischer und internationaler Studenten ist wichtig, um die Lemuren schützen zu können. Denn auch die Lemuren tragen ihren Teil zum Erhalt des Waldes bei, in dem sie die Samen nach dem Genuss der Früchte im Wald verteilen.

Wie schnell der Regenwald verbrannt ist und wie lang es dauert ihn zurückzubringen, habe ich im Wiederaufforstungsteam gelernt. Dieses Team ist sehr groß und in mehrere Bereiche unterteilt. Es gibt ein Team das Samen im Wald sammelt. Diese Samen werden in zahlreichen Baumschulen zu kleinen Bäumchen herangezogen. Damit sie gut gedeihen, wird Kompost der Erde beigemischt. Dieser Kompost wird in den Baumschulen angesetzt. Wenn die Setzlinge groß genug sind, werden sie an ihrem Bestimmungsort eingepflanzt. Es gibt zweimal die Woche mehrere Pflanzaktionen und je Pflanzort werden bis zu 3000 Bäume gepflanzt! Es ist alles sehr gut durchorganisiert. Zunächst werden die Pflanzlöcher ausgehoben und mit etwas Kompost versehen. Dann werden die Setzlinge ausgewählt, die groß genug sind, um eingepflanzt zu werden. Sie werden so nah wie möglich an den Pflanzort gefahren, doch da er oft fernab der Straße liegt, werden sie in Bambuskörben getragen. So ein Korb wiegt zwischen 20 und 25 kg und die Träger tragen meist zwei Körbe auf einmal! Es ist einfach unglaublich! An ihrem Bestimmungsort angekommen, werden die Bäumchen eingepflanzt. Das Ganze geht so schnell vor sich und ist sehr gut durchorganisiert. Die Pflanzaktionen mag ich am meisten. Ich bin zwar deutlich langsamer als meine Kollegen, aber es macht so viel Spaß Bäume zu pflanzen. Natürlich wird bei diesen Aktionen auch viel gelacht und es ist ein tolles Gefühl gemeinsam den Wald zurückzubringen.

Bis aus den ersten gepflanzten Bäumchen ein Wald entsteht, dauert es jedoch sehr lang. Zunächst werden Pionierarten gepflanzt. Diese wachsen sehr schnell und bereiten den Boden für weitere Waldarten vor. Sobald die Pionierarten groß genug sind, werden dazwischen andere Waldarten gepflanzt. Diese wachsen allerdings sehr langsam. Was in Minuten oder Stunden verbrannt ist, braucht Jahrzehnte um wieder zurück zukommen. Ein paar Bäume machen noch keinen Wald. Um so bewundernswerter ist das große Engagement von MBP und Conservation Fusion die Wälder zu schützen und die Waldfragmente durch Neupflanzungen wieder zu verbinden, damit die Lemuren und viele andere Arten auch morgen noch einen Platz zum Leben haben.

Aus jedem Samen wächst ein Baum und irgendwann ist er wieder da… der Wald

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank, Dana, dass du deine Erfahrungen teilst. Es stimmt mich immer positiv deine Beiträge zu lesen. Jedes Umdenken, jeder noch so kleine Schritt, zählt. Weiterhin alles Gute, viel Freude und Erfolg auf deinem Weg.

    1. Liebe Sabrina, das freut mich so sehr zu hören! Dieses positive Gefühl und das Wissen, das jeder kleine Schritt zählt, möchte ich in meinen Lesern wecken. Denn aus den vielen kleinen Schritten werden irgendwann Meilensteine 🙂

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